Den Wert einer gebrauchten Angelausrüstung schätzen

Wie überall, so gilt auch bei einer gebrauchten Angelausrüstung das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Das hilft Ihnen aber nicht weiter, wenn Sie Ihre alte Angelausrüstung verkaufen wollen und keinen blassen Schimmer haben, was die alten Angelrollen, Angelruten, Angelköder, Gummistiefel und der ganze Krimskrams noch wert sind. Im folgenden möchte ich Ihnen ein paar Tipps geben, wie Sie ein Gefühl für den Wert Ihrer gebrauchten Angelausrüstung bekommen.

Leider ist es gar nicht so einfach, eine gebrauchte Angelausrüstung zu schätzen. Denn sie besteht aus vielen Teilen, wie Angelrollen, Angelruten, Kunstköder, Haken, Rutenhalter, Kescher, Kleidung, Schirme usw. Alles muss man unterschiedlich betrachten.

Unterschiedliche Nachfrage
Generell kann man sagen, dass gebrauchtes Angelgerät gesucht und gekauft wird. Angelrollen und Ruten sind dabei die Gerätschaften, die auf dem Gebrauchtmarkt am meisten gesucht werden. Sie lassen sich also gut verkaufen. Gebrauchte Kunstköder sind auch gefragt, wenn sie nicht zu alt sind. Denn gerade beim Kunstköderangeln schreiten die Entwicklungen und Trend schnell voran und die meisten Angler suchen nach aktuellen Ködererfindungen.
Der ganze Rest der  gebrauchten Angelausrüstung lässt sich nur relativ schwer verkaufen. Vor allem Kleidung, wie Wathosen und Gummistiefel sind nahezu unverkäuflich. Wer möchte schon gerne die verschwitzten Gummistiefel eines anderen anziehen?

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Foto: Modernes Angelgerät, wie diese ca. 7 Jahre alte Freilaufrolle, lässt sich auf dem Gebrauchtmarkt am besten verkaufen. (Foto: W. Kalweit)

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Foto: Gebrauchte Kunstköder aus den 60er-90er Jahren lassen sich nur noch schwer verkaufen, bzw. nur für kleines Geld. (Foto: W. Kalweit)

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Foto: Wertvoll können antike Angelköder sein, aus der Zeit ca. vor 1950. Diese sind von Sammlern wie mir gesucht. (Foto: W. Kalweit)

Entscheidend ist der Zustand
Ganz wichtig für den Verkauf einer gebrauchten Angelausrüstung ist der Zustand. Bestenfalls wurden die Sachen gepflegt, sind voll funktionsfähig, haben keine Schäden und sind nicht verschmutzt. Eine jahrzehntelang geangelte Angelausrüstung mit vielen optischen und auch technischen Mängeln ist schließlich nur sehr schwer zu verkaufen bzw. nur für wenig Geld. Sind die Gerätschaften hingegen noch nigelnagelneu und noch in der Originalverpackung, dann kann man auch auf dem Gebrauchtmarkt die besten Preise erzielen.

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Foto: Wenn Angelgerät starke Gebrauchsspuren hat, wenn es technische Mängel gibt oder gar Teile fehlen, dann ist es nahezu unverkäuflich oder dient höchstens noch als Ersatzteilspender. (Foto: W. Kalweit)

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Foto: Ist der Zustand hingegen neuwertig, dann lassen sich auch ältere Angelgeräte hervorragend verkaufen. (Foto: W. Kalweit)


Eine hochwertige Angelausrüstung verkauft sich besser
Je hochwertiger und teurer die Angelausrüstung einst war, umso größer ist ihr relativer Gebrauchtwert. D.h. im Umkehrschluss, dass schon damals günstige oder billige Angelgeräte heute kaum noch gefragt sind und nur noch für einen kleinen Preis verkäuflich sind.

Faustformel zur Schätzung der Angelausrüstung
Wenn der Neuwert einer gebrauchten Angelausrüstung noch bekannt ist, dann ist das ein guter Anhaltspunkt. Schauen Sie sich die Sachen an, beurteilen Sie den Zustand und gehen vor wie bei der Bewertung eines Autos. Kostete z.B. ein PKW vor 10 Jahren 20.000 Euro, so ist er heute bei normaler Laufleistung und normalen Gebrauchsspuren durchschnittlich etwa noch 8.500 Euro Wert, also weniger als die Hälfte. Ähnlich ist es mit einer gebrauchten Angelausrüstung. Als Faustformel kann man sagen, Angelrollen und Angelruten durchschnittlicher Qualität halbieren alle 10 Jahre ca. ihren Neuwert. Kostete eine Rolle also vor 20 Jahren umgerechnet 150 Euro, so liegt ihr Wert bei normaler Nutzung heute etwa bei 40 Euro. Das ist natürlich nur eine grobe Herangehensweise, denn einige Gerätschaften lassen sich nur sehr schwer verkaufen (Billigware) und andere erzielen fast noch den damaligen Neuwert (hochwertiges Angelgerät von Nobelherstellern). Ab einem bestimmten Alter kann der Wert für bestimmte Angelgeräte auch wieder steigen. Sammler interessieren sich vor allem für Angelgerät, dass noch aus Zeiten vor 1945 stammt (so ein Sammler bin ich zum Beispiel!).

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Foto: Angelgerät von Nobelherstellern (wie hier eine Chris Lythe Centrepin aus England) behält seinen Wert, selbst, wenn es Gebrauchsspuren hat. Im Neuzustand kann sein Wert sogar mit der Zeit steigen. (Foto: W. Kalweit)


Angelausrüstung vor dem Verkauf aufteilen
Ich habe bereits erwähnt, dass einige Angelgeräte mehr gesucht sind als andere. Zudem ist es sehr unwahrscheinlich, dass jemand genau alles das sucht, was Sie anzubieten haben. Aus diesem Grunde ist es nicht klug, die gesamte Angelausrüstung auf einmal anzubieten. Das kann man natürlich machen, doch man muss dann auch Abstriche beim Preis machen. Denn es gibt nur wenige Interessenten, die sich die gesamte Ausrüstung „ans Bein binden“ wollen. Einen großen Vorteil hat der Komplettverkauf aber: Man selbst hat die wenigste Arbeit damit. Wenn Sie aber Zeit haben und die Mühen nicht scheuen, dann sollten Sie versuchen, für jedes größere Teil (Ruten, Rollen usw.) den passenden Käufer zu finden. Nur die Kleinteile (Haken, Köder usw.) können Sie im Konvolut anbieten. Durch den Einzelverkauf erzielen Sie den höchsten Gesamtpreis. Über welche Kanäle Sie Ihre gebrauchte Angelausrüstung verkaufen können, lesen Sie hier.

Die eigene Schmerzgrenze festlegen
Ganz wichtig ist es aber auch, selbst einen Preis festzulegen, den Sie mindestens für die Angelausrüstung haben möchten. Nutzen Sie meine oben genannten Hinweise um sich eine Wertvorstellung zu machen. Legen Sie dann Ihren Wunschpreis fest. Damit können Sie in Verhandlungen starten. Viel wichtiger ist aber die Mindestsumme, die Sie für die Angelausrüstung haben möchten. Damit meine ich die absolute Schmerzgrenze! Wenn Sie also die Schmerzgrenze von z.B. 200 Euro festlegen, dann dürfen Sie nicht verkaufen, wenn Ihnen jemand 199 Euro bietet. Sie verkaufen die Angelausrüstung dann halt nicht und hoffen auf ein besseres Angebot. Sollten Sie über längere Zeit keinen Käufer finden, der Ihnen für Ihre Angelausrüstung Ihren Mindestpreis zahlt, sollten Sie jedoch darüber nachdenken, ob Ihre Schmerzgrenze nicht vielleicht unrealistisch hoch ist.

Genaue Preisschätzungen für Angelgerät sehr schwierig
Vielleicht haben sie erwartet, durch das Lesen dieses Beitrags den genauen Wert Ihrer Angelausrüstung bestimmen zu können. Aber selbst für erfahrenste Angelgerätekenner ist dies nur sehr bedingt möglich. Die Nachfrage nach bestimmten Angelgerätschaften schwankt sehr stark, u.a. in Abhängigkeit der gerade angesagten Angeltrends. So ist im Moment das Kunstköderangeln im Trend und Spinnruten sowie Angelköder verkaufen sich auf dem Gebrauchtmarkt gut. Friedfischangeln ist aktuell hingegen eher unterrepräsentiert, weshalb z.B. Stippruten und Matchruten nicht von der breiten Masse gesucht werden. Dies kann in 5 Jahren aber wieder ganz anders aussehen! Auch gibt es saisonale Unterschiede: Im Herbst und Winter wird weniger Angelgerät gekauft, als im Frühjahr und Sommer.
Schließlich hängt alles auch immer von den Interessenten ab, denen Sie begegnen. Bei dem einen sitzt das Geld lockerer als bei einem anderen. Wichtig ist also, dass Sie sich selbst einen Wunschpreis und Ihre Schmerzgrenze festgelegt haben. Erzielen Sie den Wunschpreis, können Sie glücklich sein. Verkaufen Sie zum Mindestpreis, dann dürfen Sie immerhin noch zufrieden sein!

 

In eigener Sache: Ich selbst bin Sammler von antiken Angelausrüstungen, suche aber auch bestimmte Stücke der 60er-90er Jahre. Sollte bei Ihrer Angelausrüstung also etwas von meiner Suchliste dabei sein, dann mache ich Ihnen gerne ein Angebot!